Zwei Urkunden des Steyrer Vizebürgermeisters Franz Tomitz in einer Prunkmappe

[TOMITZ, Franz]: Prunkmappe anlässlich des 60. Geburtstages, mit illustrierter und kalligrafierter, vielfach signierter Glückwunsch-Urkunde des Steyrer Gewerbe-Vereines und kaiserlicher Urkunde vom 14. Dezember 1884 anlässlich der Ernennung zum Ritter des Franz Joseph-Ordens. Steyr: 1895.

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[TOMITZ, Franz]: Prunkmappe anlässlich des 60. Geburtstages von Franz Tomitz, mit illustrierter und kalligrafierter Glückwunsch-Urkunde des »Gewerbe-Vereines des Steyrer Industriebezirkes in Stadt Steyr« in dreifarbiger Tusche, dieselbe datiert mit „1. October 1895“, weiters 5 beigebundenen lithografierten Blättern mit 96 eigenhändischen Unterschriften, sowie eingelegter kaiserlicher Urkunde anlässlich der Ernennung von Franz Tomitz zum Ritter des Franz Joseph-Ordens vom 14. Dezember 1884, dieselbe teils kalligrafiert, mit kaiserlichem Blindstempel versehen und eigenhändig signiert von Ordens-Sekretär Dr. August Ritter von Battioli. Steyr: E. Haas & Co. (Illustr., Kalligrafie, Lithografie) 1895. 46:35 cm (Mappe), 44:34 (Urkunde und Blätter).

Prunkmappe mit zwei handschriftlichen Urkunden für den Möbelhändler Franz Tomitz (1835-1904), einem der prominentesten und verdienstvollsten Bürger der Stadt Steyr in seiner Zeit.

Von 1875 bis 1901 war der Liberale Tomitz im Gemeinderat tätig und war er in dieser Zeit auch als Vizebürgermeister tätig. Im Rahmen seiner politischen Funktionen, auch als Gründer bzw. führendes Mitglied der „Grünober-Gesellschaft“ (ab 1859) erwarb sich Tomitz in der Folge besonders große Verdienste um das soziale und kulturelle Leben seiner Heimatstadt. Er arrangierte zunächst den großen historischen Festzug anlässlich des 900. Stadtjubiläums (1880). 1884 fungierte er dann als einer der Hauptorganisatoren der "Electrischen-Landes-Industrie-Forst und culturhistorischen Ausstellung", die ihm wohl die vorliegende Ehrung des Gewerbe-Vereins eingebracht hat. Im Zuge dessen wurde Tomitz auch über die Grenzen Steyrs bekannt, zum Kaiserlichen Rat und zum Ritter des Franz Josephs-Ordens ernannt, wie die dieser Mappe beiliegenden Urkunde bestätigt. 1885 eröffnete Tomitz als Obmann des „Vereins der Schulfreunde“ eine Suppenanstalt für Volksschüler. Im gleichen Jahr initiierte als in Folge seiner Ausstellungstätigkeit auch das Bezirksmuseum. Außerdem war Tomitz federführend in den Komitees zur Errichtung des Denkmals für den Industriellen Josef Werndl (1894) und des Bruckner-Denkmals (1898). Franz Tomitz erhielt für seine Verdienste die Steyrer Ehrenbürgerschaft. Heute ist nach ihm die „Tomitzstraße“ benannt.

Prunkmappe eines ungenannten Buchbinders. Holzdecken und Rücken sind mit mennigrotem Samt überzogen, der Rücken weist zusätzlich eine Schmuckbindung in der Form einer Messingkordel auf, die durch zwei mittig eingearbeitete Messingösen gezogen ist. Die Vorderdecke ist aufwendig mit Messing beschlagen: zunächst von außen nach innen mit einem umlaufenden, durch Rautenmuster ornamentierten Rahmen in vier Teilen, in dessen horizontale und vertikale Verläufe teils mit den Rahmenlinien überlappendes Blumen und Rankenwerk eingearbeitet ist. In den Ecken schließen sich vier ebenso gestaltete Vignetten an, die zusätzlich durch als rot, blau und weiß emaillierte Blumenknöpfe akzentuiert sind. Der Mittelteil besteht aus einem breiten Doppelschild. Auf dem vorderen, mit Rankenmustern getriebenen Schild sind die weiß bzw. rot emaillierten und in Punktierung gefassten Initialen „F“ und „T“ montiert, ebenso eine Banderole mit schwarz aufgemalten Jahreszahlen „1835-1895“. Der hintere Schild besteht aus einer emaillierten Vignette mit mehrfarbigem Rankenwerk, um ihn verläuft abermals üppiges florales Rankenwerk. Die Vorsätze der Mappe sind aus eierschalenfarbenem, blindgemustertem Satin über Karton gefertigt.

Samtüberzug an den Ecken und Kanten an wenigen Stellen gering berieben und auf der Hinterseite mit einer kleinen Kratzspuren, die Blätter an wenigen Stellen gering finger-, stock- und schmutzfleckig, insgesamt ist dieses einzigartige historische Dokument sehr gut erhalten.

Manfred Brandl, Neue Geschichte von Steyr, 1980.