Wilhelm Horns äußerst seltenes Tafelwerk über Trachten in Mähren, 1837

Wilhelm HORN: MÄHRENS AUSGEZEICHNETE VOLKSTRACHTEN. 29 v. 30 kolor. lithograf. Taf. Brünn: 1837.

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Wilhelm HORN: MÄHRENS AUSGEZEICHNETE VOLKSTRACHTEN in 30 colorirten Blättern gezeichnet und lithographiert von W. H. 29 von 30 Tafeln, die fehlende 30 in Kopie auf historischem Papier. Brünn: Congrève-Druck von R. Rohrer (Johann Höfelich, Wien [Lithografien]) 1837.

Groß-2°. 1 lithograf. Widmungsbl., 29 v. 30 chromolithograf. und mit Legende versehene Taf. Fachkundig erneuerte Broschur auf historischem Papier und Verwendung des mit einem mehrfarbig ornamentierten lithografischen Titeldruck versehenen Originalumschlags.

Außerordentlich seltenes, großformatiges Tafelwerk über Volkstrachten in Mähren, mit kräftig im Congreve-Verfahren gedruckten Farblithografien des deutschböhmischen (Miniatur)Malers und späteren Fotopioniers Wilhelm (auch Vilém) Horn.

Inhalt: Auf den Tafeln ist jeweils ein Trachtenpärchen in voller Größe vor einem lokalen, meist ländlichen Hintergrund zu sehen. Die ebenfalls lithografierten Bildlegenden erwähnen Kreis und „Herrschaft“, in denen Horn die Männer und Frauen vorfand und porträtierte, zumeist auch deren Familienstand („Ehepaar“, „lediges Paar“) und/oder Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe oder Nation: „Kroaten“, „Hannaken“ „Slowaken“, „Wallachen“, „Zaleschaken“ (wallachische Großbauern) bzw. die kostümgeschichtliche Einordnung der Arbeits- oder Festkleidung („altdeutsch“, „altpreußisch“). In der Verlagsgeschichte findet das Tafelwerk als einer der aufwändigsten und prestigeträchtigsten Drucke Rohrers dieser Zeit breit Erwähunung: "Die Verbesserung des Druckverfahrens ermöglichte Rohrer, das schöne volkskundlich lehrreiche Werk "Mährens ausgezeichnete Volkstrachten" (1837) in Congreve-Druck herauszugeben. (...) Es bringt Trachtenbilder aus dem Brünner, Hradischer, Olmützer, Prerauer, Znaimer und Iglauer Kreise, stellt alte und junge Leute dar und zeigt die Farbenfreudigkeit der mährischen Trachten vor einem Jahrhunderte."

Vorliegende Tafelfolge Horns erschien im Zuge der Krönung Kaiser Ferdinands I. zum böhmischen König im Jahr 1836, und ist das Werk auch auf dem ebenfalls lithografierten Widmungsblatt „Den hochlöblichen Maehrischen Herren Herren Staenden“ zugeeignet. Im Zuge dessen erschien zuerst eine für Honoratioren gedachte Vorzugsausgabe in einer mit Atlas-Einlagen ausgeschlagenen Ledermappe, wie das 1907 bei Gilhofer & Ranschburg in Wien versteigerte Exemplar aus der ehemaligen Bibliothek von Staatskanzler Fürst Metternich belegt (JBP II, S. 189).

Kurz nach dem Erscheinen der »Volkstrachten« sollte der zuvor als Beamter tätige Horn auch zum Pionier der Fotografie avancieren, 1841 in Prag das erste Atelier für Daguerrotypie im Kronland Böhmen eröffnen und dort ab 1854 die erste Fachpublikation im deutschsprachigen Raum, das »Photografische Journal« (bis 1865), herausgeben. Bereits in den 1850er-Jahren experimentierte Horn auch mit kolorierten Porträts auf Salzpapier, womit seine Beschäftigung mit dem Porträt eine moderne Fortführung fand.

Zustand: Eine Tafel mit größerem Farbfleck (nicht die Litho beschädigend), die Tafeln großteils etwas finger- und schmutzfleckig sowie mit kleinen Randeinrissen, sonst solides Exemplar dieses veritablen Rarissimums.

Seltenheit: Laut OCLC/WorldCat, KVK und viaLibri Libraries ist das Werk weltweit nur in 6 Exemplaren nachweisbar (Mährische Bibliothek Brünn; Morgan Library (Prov. Paul Mellon); ÖNB (2 Ex.); SMB [Ex. d. Lipperheideschen Kostümbibl.]), V&A. Gemäß JBP (1906-38), JAP (1950ff.) und APO (ca. 1988ff.) wurden zudem bis dato höchstens 5 komplette Exemplare versteigert, sowie nur ein weiteres mit wie hier einer fehlenden Tafel (1995).

Literatur: Anderthalb Jahrhunderte Rudolf M. Rohrer 1786-1936. Brünn/Baden bei Wien: 1937, S. 35f. u. S. 130 (mont. Farbtaf.); Durstmüller I, S. 249 (Höfelich); Starl, S. 209; Toman zit. WBIS/CSBA 232.153.

Additional information

Weight 4 kg