Sonst nicht nachweisbare Beschreibung des Besuchs von Kaiserin Maria Theresia in Klagenfurt, 1765

Franz WERFFENSTEIN: AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG DES FEYERLICHSTEN EMPFANG BEYDER KAIS. KÖNIGL. MAJESTÄTEN (…) in der Haubtstadt Clagenfurt in Erzherzogthum Cärnthen. Klagenfurt: o. J. [1765].

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Franz Dominicus Buttolo von WERFFENSTEIN: AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG DES FEYERLICHSTEN EMPFANG BEYDER KAIS. KÖNIGL. MAJESTÄTEN, Seiner Majestät des Römischen Königs, Seiner Königlichen Hochheiten des Erzherzogs Leopold, und Erzherzoginen Frauen, Frauen Marianna, und Christina, in der Haubtstadt Clagenfurt in Erzherzogthum Cärnthen, und deren darby vorgefallenen Merkwürdigkeiten Anno 1765. Mit Anfangs- und Schlussvignette im Holzschnitt. Klagenfurt: Kleinmayr, o. J. [1765].

4°. [1-2], 3-23, [24] Seiten. Holzschnitt und Buchdruck, in einer gelben Interimsbroschur der Zeit.

Außerordentlich seltene Beschreibung des im Juli 1765 stattgehabten, einzigen Aufenthalts des Habsburger Herrscherpaars Maria Theresia und Franz I. Stephan samt ihres Hofstaats in Klagenfurt.

Inhalt, Verfasser: Die in vorliegendem Druck ausführlich dargestellte Visite des Kaiserpaares fand zwischen 11. und 13. Juli 1765 statt. Der kaiserliche Tross von mehreren hundert Personen (worunter sich neben der adeligen Entourage, Leibgarde und -ärzten, Diplomaten, Beamten, Geistlichen und der Dienerschaft auch Köche, Musikanten und Schneider befanden) war auf der Reise zur Hochzeit (zum „vollziehenden höchsten Beylaager“, wie es der Autor einleitend formuliert) von Erzherzog Leopold mit der spanischen Infantin Maria Louisa, die am 5. August 1765 in Innsbruck stattfinden sollte. Die Anreise führte über den Semmering und die Obersteiermark nach Kärnten und Klagenfurt, später über Osttirol und dem Brenner nach Innsbruck. (Für Kaiser Franz I. Stephan sollte es übrigens die letzte Reise gewesen sein. Er verstarb unerwartet am 18. August noch in Innsbruck.) Die Reiseroute des Habsburger Hofs durch Klagenfurt wird zwar einleitend als „Beglückseligung“ Kärntens benannt, stellte aber auch eine Machtdemonstration der katholischen Wiener Zentralgewalt dar, welche in den Jahrzehnten davor durch absolutistische Verwaltungsreformen die bis dahin relativ unabhängig regierenden, teils protestantischen Kärntner Stände entmachtet hatte.

Die vorliegende Beschreibung, am Ende der Schrift vom kaisertreuen Kärntner Adeligen Franz Dominicus Buttolo von Werffenstein unterzeichnet, zeugt vom beträchtlichen Aufwand, den die Kärntner Landstände betrieben hatten, um Klagenfurt für den kaiserlichen Besuch herauszuputzen. Es ist u.a. die Rede vom Pflastern der Plätze und Gassen, der Neugestaltung des Stadttheaters u.v.a. der Aufstellung eines Denkmals für die Regentin auf dem Neuen Platz. Die von einem Schüler Raphael Donners, Balthasar Moll, geschaffene Bleiskulptur, wird mitsamt Inschriften genau beschrieben. Sie gilt als das erste Denkmal für Maria Theresia überhaupt, wurde jedoch 1873 abgetragen und durch eine Bronzeplastik ersetzt. Hinter der „Kaiserin aus Blei“ (wie es im Volksmund hieß) war zum Empfang der Kaiserin eine opulente Theaterkulisse im barocken Stil mit Orchesterpodium und Tafel aufgebaut worden, an der am 11. Juli zu Ehren des Herrscherpaares und im Beisein der Kärntner ständischen Gesandten ein „Offentliches Soupé“ staffinden sollte. Ebenfalls unter typografischer Wiedergabe der Inschriften eine „Ehrenpforte“ beschrieben, die im Klagenfurter Jesuitenkolleg aufgestellt worden war. In der Folge konzentriert sich die Beschreibung auf den Ablauf des Besuchs.

Franz Dominicus Buttolo von Werffenstein war als „Kayserl. Königl. Landschafftlicher Contributions- und Kriegs-Caßirer“ (Zedler), tätig. Seine Familie war 1740 noch von Karl VI., dem Vater Maria Theresias, in den Adelsstand erhoben worden.

Gedruckt wurde der vorliegende Bericht in der Offizin von Maria Anna Christine Kleinmayr, die als Witwe von Johann Friedrich Kleinmayr die eingesessene Druckerei mit angeschlossener Verlagsbuchhandlung übernommen hatte und bis 1769 leitete. Kleinmayr galt zu dieser Zeit als „innerösterreichischer Gubernialbuchdrucker“, der u.a. Amtsdrucksorten, Akzidenzen und ab 1758 auch den »Klagenfurter Schreibkalender« herstellte.

Erhaltung: Der Interimsumschlag am Rücken mit kleinen Fehlstellen, stellenweise fleckig und mit Lichträndern, Buchblock vom Rücken teilweise gelöst, das Papier nur an wenigen Stellen und gering stockfleckig, insgesamt wohlerhalten.

Seltenheit: Von außerordentlicher Seltenheit. Laut WorldCat/OCLC, KVK und OBV lässt sich kein weiteres Exemplar dieses Drucks nachweisen, weder in Österreich noch weltweit. JBP/JAP/APO und RHB weisen seit den Anfängen der Aufzeichnungen im Jahr 1906 keinerlei Auktionsergebnisse aus.

Literatur: Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 55 (1748), S. 366-372; Durstmüller I, S. 342f. (Kleinmayr).

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