Seltener Wiener Sack-Kalender “pour le beau sexe”, 1804

ALMANAC DE POCHE POUR LE BEAU SEXE ET POUR CEUX QUI AIMENT LES CONTES ROMANESQUES, POUR L' ANNÉE 1804. Mit 18 Bildtafeln, worauf 24 handkolorierte Stiche. Wien: 1804.

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ALMANAC DE POCHE POUR LE BEAU SEXE ET POUR CEUX QUI AIMENT LES CONTES ROMANESQUES, POUR L' ANNÉE 1804. Mit 18 Bildtafeln, worauf 24 handkolorierte Stiche von Joseph Gerstner u.a., sowie einem gestochen, handkolorierten Titel. Wien: Joseph Graemmer (J.[oseph] V.[inzenz] Degen) 1804. 16°. [2 (1. Titelbl.)] S.; 6 Taf. m. Stichen Nrn. 1-12; [30 (Kalendarium)] S.; 12, wovon 6 m. 1-6 num. Taf. m. Stichen, S. I-XVI (Erklärungen zu den Taf. Nrn. 1-6); [nn. S. 1-3 (2. Titelbl., Inhalt, Anfang)], S. 4-48, [6] S. Originaler Pappband mit allegorischer, floral gerahmter Deckel- und Rückenillustration (Vorderdeckel fehlt) und durchgehendem Goldschnitt, im zeitgenössischen Lederschuber, derselbe mit mehrfarbig gemusterten Buntpapieren ausgekleidet und mit Goldprägung floral ornamentiert.

Ausgenommen seltener, vornehmlich für die weibliche Leserschaft gestalteter Wiener Taschenalmanach (damals genannt »Sack-Kalender«), der neben einem Kalendarium und 2 moralisierenden Kurzgeschichten 18 Bildtafeln mit insgesamt 24 in satten Farben sorgfältig handkolorierten Stichen beinhaltet: 6 vorgebundene Modetafeln zeigen 12 nummerierte, wovon 2 männliche Figurendarstellungen in verschiedenen Kleidern und Accessoires (z.B. „á la Mameluc“). Zwischen den Kalenderblättern sind weitere 12 Farbtafeln gebunden. Zunächst folgen 6 nummerierte „Toilettenszenen“, i.e. Darstellungen von Körperpflege- und Ankleide-Zeremonien des Altertums bis zur Gegenwart. Danach sind 6 Szenen aus den aufgenommenen Noveletten darstellt („Leichtsinn bahnt sich den Weg zum Unglück“ (3) und „Marie von Brand“ (3). - Der im niedlichen Sedezformat hergestellte Kalender wurde in deutscher („Almanach“ bzw. „Taschenbuch für Freundinnen romantischer Lecture“) und, wie hier vorliegend, in französischer Sprache herausgebracht, wobei in der französischen Fassung alle Stiche koloriert waren. Die Herausgabe französischer Kalendarien spiegelte die seit der Theresianischen Epoche vorhandene Affinität gebildeter Wienerinnen und Wiener für die französische Kultur wider, die sich eben auch in zahlreichen französischen Drucken Wiener Provenienz manifestierte und selbst angesichts der Kriegsgegnerschaft zum Napoleonischen Frankreich kaum abnahm. Im Herbst 1803, als dieser Almanach bei Joseph Vinzenz Degen auf dem Michaelerplatz und/oder bei Joseph Grämmer (der allerdings auf Titelbl. Nr. 1 als „Buchbinder“ tituliert wird) in der Wollzeile in Druck ging, widmete etwa Beethoven seine »Eroica« dem französischen Herrscher.

Schuber stellenweise berieben und mit Fehlstellen, der illustrierte Pappeinband fleckig und mit fehlendem Vorderdeckel, ebenso fehlt der hintere Vorsatz, das erste, gestochene und handkolorierte Titelblatt ist stärker fleckig, die ersten Blätter lose, sonst solides Exemplar dieses Rarissimums mit frischen, farbkräftigen Stichen, mit dem Lederschuber wohl ein Unikat. Der Katalog des OBV weist lediglich einen einzigen Teilbestand der vorliegenen französischen Fassung dieses Almanachs in der Wienbibliothek aus (Jge. 1803, 1806, 1810, 1812, 1834).

Karl Gladt: Almanache und Taschenbücher aus Wien, 1971, S. 60f.; Vera Oravetz, Les impressions françaises de Vienne 1567-1850, 1930, S. 194 (Bibl. Erwähnung des Bestandes der Wienbibliothek); Thieme/Becker, Bd. 13 (1920), p. 346 (Gerstner).

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