Es fliegen die Lieder über Wien, 300 Liedflugblätter, ca. 1840 – 1890

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[Private Sammlung von rund 300 Wiener Liedflugblättern mit illustriertem Kopftitel, teils in Kupferstich.] 3 Bände. Wien: Franz und Carl Barth, Anton Leitner, Mathias Moßbeck u.a., s.a. [ca. 1840 – 1890].

[Private Sammlung von rund 300 Wiener Liedflugblättern mit illustriertem Kopftitel, teils in Kupferstich.] 3 Bände. Wien: Franz und Carl Barth, Anton Leitner, Mathias Moßbeck u.a., s.a. [ca. 1840 – 1890].

12° u. 16°, mit unterschiedlichem Beschnitt. Ca. 350 Blätter, zumeist einmal gefaltete Einblattdrucke mit ein- oder beidseitigem Druck. Kupferstich, Holzstich, Klischee, Lithografie, Hektografie und Buchdruck auf verschiedenen Papieren, in 3 privaten Einbänden, (1) Halbleder mit Deckel- u. Rückengoldtitel sowie durchgehendem Goldschnitt, (2) und (3) Halbleinen über Karton.

Sammlung von zumeist illustrierten Flugblättern mit Wienerliedern u.a. Volksliedern aus Österreich, in diesem Umfang selten und als Konvolut ein bedeutendes Zeugnis der Wiener Volksliedkultur im 19. Jahrhundert.

Inhalt, Gestaltung: Liedflugblätter wie die in dieser umfangreichen, die Blütezeit des Wienerliedes im 19. Jh. abdeckenden Sammlung vorliegenden, wurden von Kupferstechern und Druckern der Wiener Vorstädte, wie Franz und Carl Barth (Mariahilf), Anton Leitner (Schottenfeld), Mathias Moßbeck (Neubau) und J. Neidl (Rudolfsheim) verlegt und verkauft, weiters in Papierhandlungen vertrieben (einige Exemplare sind auch mit Stempeln verschiedener Papierhandlungen versehen), oder von "Liederweibern" und Werkelmännern über die und auf der Gasse verkauft.

Zumeist handelt es sich dabei um einseitig im Kupferstich bedruckte und einmal gefaltete Blätter im Oktavformat, deren oberes Blattviertel der zweiten Seite eine Illustration ausfüllt, welche den Liedinhalt illustriert. Vor dem eigentlichen Liedtext folgen die Nennung des Liedtitels und zumeist der Textautoren, die oft auch als Volkssänger auftraten und ihre Lieder selbst vortrugen, sowie die Verlegerangabe. Mitunter sind auch Interpreten genannt, etwa Alexander Girardi oder Theresa Krones, oder die Etablissements, in denen diese das jeweils abgedruckte Lied vortrugen (z.B. »Danzers Orpheum«). Auf den späteren, lithografierten Blättern sind unter den Texten auch Noten abgedruckt. Zahlreiche der ursprünglich im Kupferstich erschienenen Flugblätter sind hier als etwas späterer, lithografierter Nachdruck vorhanden. Bd.1 stellt eine geschlossene, hübsch gebundene Sammlung von 25 solcher Exemplare aus dem Verlag Franz Barth dar.

Die Lieder haben etwa politische Ereignisse der Zeit zum Thema (z.B. die Okkupation Bosniens im Jahr 1878), oder geben Couplets aus bekannten Possen wieder (etwa von Ferdinand Raimund), handeln aber zumeist überhaupt von Wein, Weib, Gesang und dem Wiener Gemüt. Einige haben auch antisemitischen Charakter.

Provenienz: Mehrere der Blätter mit Stempel der berühmten Viennensia-Sammlung Oberlandesgerichtsrat Alfred Pick (1834-1937).

Erhaltung: Zahlreiche Blätter an den Rändern leicht eingerissen und unterschiedlich gebräunt, finger-, stock- und wasserfleckig, sowie mit Lichträndern, einige wenige mit größeren Fehlstellen, Bindung von Band 3 gelöst, die Blätter in einzelnen Lagen(-gruppen) oder lose.

Literatur: Elisabeth Fritz u. und Helmut Kretschmer: Wien Musikgeschichte. Teil 1: Volksmusik und Wienerlied. Wien: 2011, S. 306.