Reprint von »Plamak« (1924/25), Organ der Avantgarde in Bulgarien, 1986

PLAMAK [Flamme]. Hg. von Geo Milev. Reprint. 10 Nrn. in 8 Heften und eingebundenes Beiheft. Sofia: 1986.

Out of stock

PLAMAK [Flamme]. Hg. von Geo Milev. Reprint. 10 Nrn. in 8 Heften und eingebundenes Beiheft. Sofia: Verlag der bulgarischen Schriftsteller 1986.

4°. S. 1-284; 83 [5] S. Originalkassette mit zwei Klappen, darauf 2 montierte Illustrationen, im originalen neutralen Kartonschuber.

Kompletter, aufwändig gestalteter fotomechanischer Nachdruck von »Plamak«, dieses wohl wichtigsten und seltensten Periodikums der kurzlebigen Literatur- und Kunstavantgarde in Bulgarien. »Plamak« verstand sich als Sprachrohr der sogenannten »Septemberliteraten«, einer vom Expressionismus und russischem Futurismus geprägten Gruppe modernistischer bulgarischer Künstler und Literaten, die sich gegen die faschistische Militärjunta wandten. Mit ihrem Namen erinnerte die Gruppe an einen brutal niedergeschlagenen Aufstand im September 1923. Zeit ihres kurzen Erscheinens wurde die Zeitschrift immer wieder konfisziert und vernichtet, weshalb wohl nur wenige Exemplare erhalten blieben, was auch die Herausgabe des vorliegenden Nachdrucks nötig machte. Die Macher von »Plamak« waren systematischer Verfolgung ausgesetzt. Herausgeber Geo Milev, der sich in seiner Leipziger Studienzeit in den Berliner expressionistischen Kreisen um Herwarth Waldens Zeitschrift und Galerie »Sturm« bewegt hatte, wurde im Mai 1925 im Gefängnis sogar ermordet, wo er wegen der ihm angelasteten Beteiligung am Septemberaufstand eine einjährige Haftstrafe verbüßen sollte.

»Plamak« enthält Textbeiträge und Abbildungen von Werken der bedeutendsten Protagonisten der bulgarischen Avantgarde. Neben Geo Milev, sind u.a. Ivan Boyadzhiev, Petar Dachev (Nr. 4, u.a. die abstrakte Gouache »Leiden des Hiob«, Nikolay Dyulgerov (Nr. 4, die expressionistische Zeichnung »Musik«), Lamar, Max Metzger (Nr. 2, S. 57/58, montierte Farblithografie eines konstruktivistischen Lenin-Portraits), Khristo Smirnenski (Nr. 4, "Freien Lieder“), Asen Razcvetnikov, Anton Strashimirov und Khristo Yasenov vertreten. Darüber hinaus haben auch zahlreiche internationale Vorläufer und Mitstreiter der künstlerischen und literarischen Moderne Beiträge geliefert, oder deren Werke wurden abgedruckt bzw. abgebildet, so z.B. Conrad Felixmüller, Yvan Goll (Nr. 5, Gedicht »Die Prozession«), Oskar Kokoschka, Franz Marc, Frans Masereel (Nr. 5, Vignette nach Tuschzeichnung; Nr. 6, Holzschnitt), Ernst Troller, Vincent Van Gogh, Max Unold, Émile Verhaeren und Walt Whitman. Die progressive grafische Gestaltung und Typografie von »Plamak« stammt maßgeblich von Max Metzger, u.a. mit teils konstruktivistischen Vignetten. Mittels Werbeanzeigen wurden auch diverse Publikationen der europäischen Avantgarden (z.B. die Zeitschriften »Zenit« (Zagreb, Belgrad) und »Der Sturm« (Berlin) beworben.

Zusätzlich zum fotomechanischen Nachdruck der erschienen Hefte beinhaltet die Reprint-Ausgabe ein Beiheft, das u.a. einige Texte aus der geplanten 1. Nr. eines II Jg. und der Sondernummer zum 1. Mai 1924 von Geo Milev (u.a. das Langgedicht »Ad«), Lamar und Mayakovsky enthält. Den Vorderdeckel ziert die Repro eines als Tuschzeichnung ausgeführten Selbstporträts von Geo Milev aus dem Jahr 1921, der Innendeckel der Kassette zeigt ebenfalls eine Selbstdarstellung Milevs, 1917 mit Bleistift gearbeitet.

Trotzdem der Reprint von »Plamak« gemäß Impressum in 1.612 Exemplaren erschien, ist er heute kaum erhältlich.

Jacono, Bulgarian Modernism 2013, Nr. 17 (Reprint), Nr. 16 (Originalhefte Nrn. 1-6).

Additional information

Weight 4 kg