Rares Plakat zur Eröffnung des Wiener Ronacher-Theaters, 1888

ETABLISSEMENT RONACHER. O. O. [Wien]: o. J. [1888]. 38:54 cm. Farbendruck; Strichätzung.

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ETABLISSEMENT RONACHER. Wien Erbaut 1887-1888. Eröffnet 21. April 1888. Wintergarten. Concertsaal. Productionssaal. Baalsaal. Hôtel. Café. Restaurant. Chambre Separées. Elektrische Beleuchtung. Höchster Comfort. O. O. [Wien]: (Sztranyak & Amster [Strichätzung], Wilhelm Zoeller [Farbendruck]) o. J. [1888]. 38:54 cm.

Zweiseitig und in satten Farben, nach einer mit Tusche und Aquarell ausgeführten Vorlage eines ungenannten Künstlers mittels strichgeätzten Klischees des in der Platte signierenden Wiener chemigrafischen Betriebs Sztranyak & Amster gedrucktes Plakat, wohl zur Bewerbung des am 21. April 1888 eröffneten "Concert- und Ballhaus" mit Varieté-Betrieb von Anton Ronacher.

Der gelernte Gastronom Ronacher hatte 1887 die Ruine des drei Jahre zuvor abgebrannten Wiener Stadttheaters gekauft und innerhalb der noch erhaltenen Fassade nach den Plänen von Helmer & Fellner einen multifunktionellen Unterhaltungskomplex errichten lassen, der neben Café, Restaurant und Hotel vor allem ein technisch innovatives und großes Theater umfasste, das bis heute erhalten ist. Für Malerei und künstlerische Ausgestaltung war Eduard Veith verantwortlich, den plastischen Schmuck schuf Johann Meixner. „Nach seiner Fertigstellung umfasste „das Ronacher“ zwei große Säle, die bei Bedarf durch eine verschiebbare Rollwand verbunden werden konnten. Der vorwiegend in Weiß, Gold und Rot gehaltene „Productions-Saal“ im Barockstil bot im Parkett 1.200 Besuchern Platz. Diese hatten an aufgestellten Tischen auch Gelegenheit zu speisen. Hinzu kamen zwei Galerien mit 60 offenen Logen, einschließlich einer Hofloge. Der Orchestergraben wurde nach Bayreuther Muster tiefgelegt. (…) Als erstes Wiener Theater besaß das Ronacher elektrische Beleuchtung – 20 Bogenlichter und mehr als 1.200 Glühlampen (…) Unter der Nummer 1122 war das Ronacher auch schon per Telefon zu erreichen.“ (Offenthaler, s.u.) Die Theaterkritik befürchtete Schlimmes, weil ein Theater von einem Gastwirt betrieben werden sollte: „Die Stelle der Musen nehmen flinke Kellner ein, der Theaterzettel weicht dem Speisezettel und anstatt des Schauspiels wird das Lungenbratl geboten“. („Wiener Presse“ (6. 12. 1886). Das Programm bestand denn auch in erster Linie aus Auftritten von Akrobaten, Illusionisten, Jongleuren, Pantomimen und anderen „leichten“ Unterhaltungen. Nichtsdestotrotz gaben auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter des „ernsten“ Fachs (u.a. Katharina Schratt, Adele Sandrock und Alexander Girardi) im Ronacher ihr Können zum besten.

Mit deutlichen Spuren von einer Längs- und drei Querfaltungen, die Faltstellen an den Rändern und Übergängen stellenweise leicht eingerissen und entlang der Falze mitunter etwas berieben, Papier an einigen anderen Stellen mit kleinen Knickfalten, insgesamt solides Exemplar dieses Rarissimums. Das einzige weitere bekannte Exemplar des für die Geschichte des Wiener Unterhaltungstheaters bedeutenden Originaldokuments befindet sich laut Worldcat, KVK, OBV und Google in der Druckschriftensammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek.

Eva Offenthaler: Wie aus einer Brandruine „das Ronacher“ wurde: zum 175. Geburtstag Anton Ronachers. (= ÖAW, Inst. f. Neuzeit- u. Zeitgeschichtsforschung, hg.: Biographie des Monats Jänner 2016). URL: https://www.oeaw.ac.at/inz/forschungen/oesterreichisches-biographisches-lexikon/biographien-des-monats/jaenner-2016/ (Abruf: 6.3.18); Ronacher in Wien Geschichte Wiki. URL: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Ronacher&oldid=314689 (Abruf: 6.3.18); Starl, S. 478 (Sztranyak & Amster)

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