Radsport und Humor im Wiener Jugendstil, 1897

RADLEREI! 40 Kunsttafeln. Herausgegeben vom Wiener Radfahr-Club «Künstlerhaus». Wien: Gerlach & Schenk, o. J. [1897].

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Carl RABIS; Carl SEIDL (Red.): RADLEREI! 40 Kunsttafeln [d.i. großteils blattgroße klischierte, chromolithografierte oder heliogravierte Abbildungen von Zeichnungen, Gemälden, Druckgrafiken und Fotografien, sowie zahlreiche Zierrahmen und Vignetten, alles meist mehrfarbig oder getönt]. Herausgegeben vom Wiener Radfahr-Club «Künstlerhaus». Wien: Kunstverlag Gerlach & Schenk (Philipp & Kramer), o. J. [1897].

4°. [2 (flieg. Vorsatzbl.)], [2 (zusätzl. Vorsatzbl.)], 81 [1], [2 (illustr. Anz.)] Seiten. Originaler Pappband (der Wiener Buchbinderei Julius Franke) überzogen mit braunem und hellgrünem strukturiertem Japan-Papier, darüber illustrierter Einbandtitel in Gold- und Farbprägung, floral illustrierten Vorsätzen und Farbschnitt.

Schmucke Anthologie reichlich bebilderter lyrischer Beiträge zum Radsport. Ein neue und auffällige Bewegungsform im damaligen Straßenbild, sorgten Radfahrer bei anderen Verkehrsteilnehmern mitunter für Ärger und gerümpfte Nasen, vor allem aber für Staunen und Belustigung, insbesondere wenn es sich um Radfahrerinnen handelte. Die Bild- und Textbeiträge dieses Bandes sind ein Kaleidoskop dieser Stimmungslage.

Die Texte stammen von den Redakteuren Carl Rabis und Carl Seidl, weiters u.a. von Eduard Pötzl und der Königin von Rumänien deutscher Abstammung Carmen Sylva.

Die durchwegs satt und in kräftigem Farbendruck oder in sepiagetönter Heliogravüre gedruckten Bildbeiträge geben Werke von Mitgliedern des damals ganz im Trend des Jugendstils liegenden Wiener Künstlerhauses wieder, darunter Ernst Hegenbarth, Heinrich Lefler, Eduard Peithner von Lichtenfels und Theo Zasche. Ebenso ist der gesamte Buchschmuck, vom Einband bis zu den zahlreichen Zierrahmen und Vignetten, dem Jugendstil verpflichtet.

Bei der vorliegenden handelt es sich um die 2. Auflage des Werks, die erste war nur kurz davor, im Frühjahr 1897, erschienen. Nachdem sich aber am 26. Mai 1897, akkurat am Tag des Wiener »Radfahrblumen-Corso« 20 Mitglieder des Künstlerhauses, darunter Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hofmann und Carl Otto Czeschka abgespaltet und die Wiener Secession gegründet hatten, sah sich der Verleger Martin Gerlach dazu genötigt, eine bereinigte Neuauflage der »Radlerei« herauszubringen. Statt den 42 Tafeln der Erstausgabe enthielt diese nur 40 Tafeln; zwei Arbeiten von Czeschka, der im Winter 1896/97 über den vom Verlag Gerlach & Schenk ins Leben gerufenen Illustrationswettbewerb für dieses Werk zur Mitarbeit eingeladen worden war, fielen der Secession zum Opfer. Dennoch blieb der Austausch zwischen den Künstlergruppen rege, was etwa die Bewerbung des hier auf der letzten Seite annoncierten Satzes von Künstler-Postkarten zum Thema Radsport in der Zeitschrift »Ver Sacrum« (Nr. 1, 10. Okt. 1898, S. 35) beweist.

Aufgrund des fragilen Einbandüberzugs aus Japanpapier wurde das Werk ursprünglich im Schuber ausgeliefert; dieser fehlt, wie fast immer. Der Einband auf dem Vorderdeckel etwas nachgedunkelt, der Rücken minimal gebleicht, stellenweise leicht berieben, einzelne Seiten gering fingerfleckig und in der Bindung gelockert, sonst sehr sauberes Exemplar dieses Kleinods der Buchgestaltung im Jugendstil, im guten Erhaltungszustand wie hier kaum zu finden.

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Weight 2 kg