»presença«, Zeitschrift der literarischen Moderne aus Portugal, illustriert von Eloy, 1935

presença. fôlha de arte e crítica. Illustriert von Mário Eloy. 9. Jg., Nr. 48 (Oktober 1935). Coimbra: 1935.

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presença. fôlha de arte e crítica. [Präsenz. Blatt für Kunst und Kritik]. Hrsg. von João Gaspar Simões, José Régio und Adolfo Casais Monteiro. Titelblatt mit klischierter Strichzeichnung von Mário Eloy. 9. Jg., Nr. 48 (Oktober 1935). Coimbra: Selbstverlag (Atlantida) 1935.

2°. (37:28,5 cm). Broschur aus 4 losen, ineinander gelegten Falzbögen, 16 nummerierte Seiten. Klischee und teils zweifarbiger Buchdruck in schwarz und lilafarben auf Maschinbütten.

Heft Nr. 46 (von insgesamt 54 zwischen 1927 und 1938 erschienenen Nrn. der ersten Serie) dieser maßgeblichen Literaturzeitschrift der zweiten literarischen Moderne in Portugal.

Bedeutung, Inhalt: »presença« erschien vom 10. März 1927 bis November 1938 (Doppelnr. 53-54). Eine zweite, lediglich zwei Nrn. umfassende Serie im Quartformat folgte zwischen November 1939 und Februar 1940. »presença« war das tragende Organ der zweiten Welle des literarischen Modernismus in Portugal. Im Anschluß an modernistische Anfänge in Lissabon um das Periodikum »Orpheu« (1915) und einer ersten avantgardistische Klimax mit dem Erscheinen der Zeitschrift »Portugal Futurista« und dem Pamphlet »K4 O Quadrado Azul« (beide 1917), an welchen Unternehmungen Autoren und Künstler von heutiger Weltgeltung wie Fernando Pessoa, Amadeo de Souza Cardoso oder José de Almada Negreiros beteiligt waren, fungierte »presença« in der zweiten modernistischen Welle der 1920er- und 1930er-Jahre als herausragendes Podium für die damals progressivsten portugiesischen Literaten. Neben dem Leitstern Pessoa (der auch unter einigen seiner vielen Pseudonyme publizierte) und den Herausgebern finden sich u.a. Texte von Branquinho da Fonseca, Irene Lisboa und Mário Sá-Carneiro. Auch war die Zeitschrift federführend in der Vermittlung ausländischer, v.a. französischer Autoren der Moderne, wie etwa André Gide und Marcel Proust. Darüber hinaus bemühte man sich um die Etablierung des Kinos als Kunstformen, propagierte die zeitgenössische Musik und vor allem alle modernen „Kunstismen“.

Vorliegende Nr. 46 enthält u.a. Gedichte bzw. Prosa von António Botto, António de Navarro, Alberto de Serpa und João Osório de Castro, sowie Übersetzungen von Gedichten des italienischen Lyrikers Lionello Fiumi.

Illustration, Typografie: Auch was die Illustration der Zeitschrift betrifft, setzte »presença« in Portugal Maßstäbe und konnte u.a. den erwähnten Almada Negreiros zur Gestaltung von Titelblättern gewinnen (ab Nr. 5 (1927).

Das Titelblatt der vorliegenden Nr. 46 von »presença« schmückt eine klischierte Strichzeichnung mit surrealistisch anmutender Komposition von Mário Eloy de Jesus Perreira (1901-51), der u.a. im Berlin der Weimarer Republik wirkte und dessen Zeichnungen auch im »Querschnitt« des Galeristen Alfred Flechtheim Aufnahme fanden. Bemerkenswert ist ferner die abwechslungsreiche typografische Gestaltung von »presença«, hier mit wechselnden Schrifttypen- und Größen, gemischter Groß- und Kleinschreibung sowie unkonventionellem, teils auch zweifarbigem Satz.

Erhaltung: Erstes und letztes Blatt an den Rändern stellenweise leicht stockfleckig, Papier gebräunt, insgesamt gut erhaltenes Exemplar.

Seltenheit: Vollständige Exemplarsätze von »presença« sind äußerst selten, aber auch Einzelnummern in gutem Zustand wie hier vorliegend.

Literatur: Nicht bei Bolliger, Dokumentations-Bibliothek, Destribats und Heller.