»presença«, Zeitschrift der literarischen Moderne aus Portugal, 1935

presença. fôlha de arte e crítica. 9. Jg., Nr. 44 (April 1935). Coimbra: 1935.

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presença. fôlha de arte e crítica. [Präsenz. Blatt für Kunst und Kritik]. Hrsg. von João Gaspar Simões, José Régio, Adolfo Casais Monteiro und Joaquim Moreira. Titelblatt mit klischierter kalligraphischer Zeichnung. 9. Jg., Nr. 44 (April 1935). Coimbra: Selbstverlag (Atlantida) 1935.

2°. (37:28,5 cm). Broschur aus 4 losen, ineinander gelegten Falzbögen, 16 nummerierte Seiten. Klischee und teils zweifarbiger Buchdruck in schwarz und bordeauxrot.

Heft Nr. 44 (von insgesamt 54 zwischen 1927 und 1938 erschienenen Nrn. der ersten Serie) dieser maßgeblichen Literaturzeitschrift der zweiten literarischen Moderne in Portugal.

Bedeutung, Inhalt: »presença« erschien vom 10. März 1927 bis November 1938 (Doppelnr. 53-54). Eine zweite, lediglich zwei Nrn. umfassende Serie im Quartformat folgte zwischen November 1939 und Februar 1940. »presença« war das tragende Organ der zweiten Welle des literarischen Modernismus in Portugal. Im Anschluß an modernistische Anfänge in Lissabon um das Periodikum »Orpheu« (1915) und einer ersten avantgardistische Klimax mit dem Erscheinen der Zeitschrift »Portugal Futurista« und dem Pamphlet »K4 O Quadrado Azul« (beide 1917), an welchen Unternehmungen Autoren und Künstler von heutiger Weltgeltung wie Fernando Pessoa, Amadeo de Souza Cardoso oder José de Almada Negreiros beteiligt waren, fungierte »presença« in der zweiten modernistischen Welle der 1920er- und 1930er-Jahre als herausragendes Podium für die damals progressivsten portugiesischen Literaten. Neben dem Leitstern Pessoa (der auch unter einigen seiner vielen Pseudonyme publizierte) und den Herausgebern finden sich u.a. Texte von Branquinho da Fonseca, Irene Lisboa und Mário Sá-Carneiro. Auch war die Zeitschrift federführend in der Vermittlung ausländischer, v.a. französischer Autoren der Moderne, wie etwa André Gide und Marcel Proust. Darüber hinaus bemühte man sich um die Etablierung des Kinos als Kunstformen, propagierte die zeitgenössische Musik und vor allem alle modernen „Kunstismen“.

Vorliegende Nr. 44 enthält u.a. Gedichte bzw. Prosa von João Bensaude, Luiz Cardim, Alfonso Duarte, Rodrigue de Freitas, Luiz Cardim, Fernando Lopes Graça und Carlos Queiroz, Beiträge der Herausgeber Adolfo Casais Monteiro und João Gaspar Simões (über die Krise des portugiesischen Theaters), sowie Übersetzungen von Gedichten der italienischen Lyriker Aldo Capasso und Lionello Fiumi.

Illustration, Typografie: Auch was die Illustration der Zeitschrift betrifft, setzte »presença« in Portugal Maßstäbe und konnte u.a. den erwähnten Almada Negreiros zur Gestaltung von Titelblättern gewinnen (ab Nr. 5 (1927). – Bemerkenswert ist ferner die abwechslungsreiche typografische Gestaltung von »presença«, hier mit wechselnden Schrifttypen- und Größen, gemischter Groß- und Kleinschreibung sowie unkonventionellem, teils auch zweifarbigem Satz.

Erhaltung: Papier gebräunt, sonst sehr gut erhalten.

Seltenheit: Vollständige Exemplarsätze von »presença« sind äußerst selten, aber auch Einzelnummern in gutem Zustand wie hier vorliegend.

Literatur: Nicht bei Bolliger, Dokumentations-Bibliothek, Destribats und Heller.