Erstes umfängliches Verzeichnis der Habsburgischen Gemäldesammlungen, 1783

Christian von MECHEL: VERZEICHNIS DER GEMÄLDE DER KAISERLICH KÖNIGLICHEN BILDER GALLERIE IN WIEN. Mit 4 Kupfertafeln. Basel: 1783.

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Christian von MECHEL: VERZEICHNIS DER GEMÄLDE DER KAISERLICH KÖNIGLICHEN BILDER GALLERIE IN WIEN [BELVEDERE]. Verfaßt von Christian von Mechel (…) nach der von ihm auf Allerhöchsten Befehl im Jahr 1781 gemachten neuen Einrichtung. Mit 4 mehrfach gefalteten, von Phil.[ipp] Gottfried Pintz in Kupfer gestochenen Tafeln nach Grund- und Aufrissen von Gottl.[ieb] Nigelli, sowie 6 Kupfer- und 19 Holzstich-Vignetten. Basel: (Gedruckt mit Haasischen Schriften, in Basel, bei J. J. Thurneysen, dem jüngern) 1783.

Gr.-8°. XXII [2], 392 [4] Seiten, 4 Falttaf. Breitrandiger Buchdruck auf unbeschnittenem starkem Büttenpapier, mit 4 Fäden geheftet in im zeitgenössischen Umschlag aus mehrfarbigem Steinmarmorpapier.

Erstes umfängliches und kommentiertes Verzeichnis der Habsburgischen Gemälde- und Kunstsammlungen, mit detaillierten, sauber und konturiert gestochenen Kupfern von Fassadenansichten des Wiener Belvedere und von auf Basis der Grundrisse erstellten Saalplänen.

Inhalt: Vorliegendes Handbuch wurde anlässlich der unter Kaiserin Maria Theresia beauftragen und unter Kaiser Joseph II. in den Jahren 1781 erfolgten Neuaufstellung der Sammlungen von Gemälden und Skulpturen im Besitz der Habsburger im geräumigen und hellen „Lustschloß Belvedere“ (Vorwort), der ehemaligen Residenz des Heerführers Prinz Eugen, aufgenommen. Bis 1776 waren die Exponate in der engen und dunklen Stallburg untergebracht gewesen. Im Sinne der Aufklärung sollte die Zurschaustellung der Kunstwerke nun nicht mehr als fürstlicher Repräsentationsraum, sondern als Bildungseinrichtung auch für das Bürgertum fungieren. Mit der von dieser Auffassung inspirierten Neuordnung und Katalogisierung der Sammlungen beauftragte Joseph seinen Kunsthändler und -berater, den Basler Christian von Mechel (1737-1837), einem der namhaftesten Kunstkenner seiner Zeit, der auch eine Kupferstecherschule betrieb und unter anderem mit Winkelmann und Goethe in Geschäftsbeziehungen stand.

"Die Wiener Galerie wurde durch ihn (Mechel) zur ersten planmäßig geordneten Deutschen Gemäldegalerie, sein Katalog das Vorbild aller späteren … Sein Hauptgedanke war der, in der Galerie eine sichtbare Geschichte der Kunst darzustellen, die einer reichen Bibliothek gleiche, in der der Wißbegierige durch Betrachtung und Vergleichung ein Kenner der Kunst werden könne. Daher verteilte er die Gemälde in den herrlichen Sälen des Belvedere nach Schulen". (Stübel) 

Mechels ausführlich kommentiertes Vademecum für Betrachter der Galerie führt insgesamt 1300 Werke von 508 italienischen, niederländischen, flämischen und dem deutschen Sprachraum zugehörigen Künstlern an, und folgt es seiner damals neuartigen, nach Sälen, Meistern und Schulen geordneten Aufstellung der Kunstwerke im Oberen und Unteren Belvedere, welche durch die Grundrisse auch bildlich dargestellt ist. Die Kurztexte Mechels geben Aufschluss über die ausführenden Künstler, die Themen der Werke, Material und Maße der Gemälde sowie Größe der Figuren. Noch heute prägen sowohl der damals erstmals derart präsentierte Korpus an Gemälden und Figuren, als auch die von Mechel dafür entwickelte Aufstellungssystematik das Erscheinungsbild der Gemäldegalerie im Wiener Kunsthistorischen Museum.

Erhaltung: Umschlagrücken fachkundig restauriert, Tafel 1 mit fachkundig hinterlegtem Riss im Falz, die ersten und letzten Seiten stellenweise fingerfleckig, der rohe Schnitt stellenweise staubig, insgesamt kompaktes, gut erhaltenes Exemplar im schmucken Umschlag aus mehrfarbigem Steinmarmorpapier.

Literatur: Thieme-Becker XXIV, 324; Nagler X, 2; Georg Lechner: Die Anfänge der kaiserlichen Galerie im Belvedere 1776−1805 (...) In: Agnes Husslein-Arco/Katharina Schoeller (Hg.): Das Belvedere. Genese eines Museums. Wien: 2011, S. 69–91; Deutsche Galeriewerke und Kataloge des 18. Jahrhunderts. In: Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler, Jg. 1 (1925), S. 247–254. zit. S. 302; Durstmüller I, S. 195 (zum Druckort).