Matthias Claudius’ »Urian« als äußert seltenes Bilderbuch, um 1850

Matthias CLAUDIUS: URIANS REISE UM DIE WELT. Ein Bilderbuch für Kinder. 15 einseitig lithografierte Blätter, wovon 14 teils handkoloriert. Mainz: Joseph Scholz [um 1850].

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Matthias CLAUDIUS: URIANS REISE UM DIE WELT. Ein Bilderbuch für Kinder. 15 einseitig lithografierte Blätter, wovon 14 teils handkoloriert. Mainz: Joseph Scholz [um 1850]. Lex-8°. [1 (Frontispiz)], [1 (Titel)], [1 (Notendruck)], 12 Blätter. Neuer Leineneinband nach dem Stil der Zeit mit ornamentaler Blindprägung auf dem Vorderdeckel.

Außerordentlich seltenes »Bilderbuch für Kinder« unter Zugrundelegung der gleichnamigen satirischen Verserzählung von Matthias Claudius, in welcher der tölpelhafte Erzähler Urian eine Weltreise unternimmt und dabei zur Erkenntnis gelangt, die Menschen wären überall „eben solche Narren“. Sprichwörtlich ist heute der erste Vers des Gedichts: „Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was verzählen...“ (hier: „erzählen“). Der Text dieses zuerst 1774 im »Wandsbecker Boten« abgedruckten Gedichts umfasste ursprünglich 14 Strophen, die Strophen 5 u. 6 (über Amerika) sind aber im vorliegenden Druck von Scholz wohl ausgelassen worden. Darauf lässt schließen, dass die vorhandenen Seiten mit den 12 Strophen in der Litho-Platte durchgehend von 1-12 nummeriert sind.

Die meist mit satirischen Darstellungen Urians und seiner Erlebnisse illustrierte Verserzählung sollte im Laufe des 19. Jh. eine hohe Popularität erreichen und wurde 1893 sogar für Sammelbilder zur Bewerbung von »Liebig's Fleischextrakt« verwendet. 1930 und 2003 erschienen weitere, neu illustrierte Einzelausgaben. Auch mehrere Vertonungen von Claudius' Text sind überliefert, die bekannteste hat Beethoven (op. 52) schon um 1810 komponiert. Das in der vorliegenden Ausgabe abgedruckte Notenblatt stammt wohl aus der Vertonung von Ludwig Berger (op. 46, nr. 7) oder Johann Karl Gottfried Loewe (op. 84, no. 1).

Das Notenblatt mit einer Fehlstelle, die ca. 1/3 des Blattes einnimmt (sh. Abbildung), alle Blätter schmutz- und fingerfleckig, mit einigen leicht sichtbaren Bleistift-Kritzeleien, sowie stellenweise mit leichten Wasserrändern, dazu frühere Fehlstellen v.a. in den Ecken von fachkundiger Hand mit Japanpapier restauriert. Insgesamt aufgrund der außergewöhnlichen Seltenheit, reichhaltigen Illustrierung (eines ungenannten Künstlers) mit den breiten Bordüren und der satten Kolorierung, sowie der Kuriosität der Bildmotive jedenfalls sammelwürdiges Exemplar dieses Bilderbuchs. Der Einband wurde kürzlich in geschmackvoller Weise und in Anlehnung an das Original erneuert, ursprünglich war der Titel im schwarzen Kaliko mit goldenem Titeldruck ausgeliefert worden.

WorldCat/OCLC, KVK und viaLibri Librairies zeigen weltweit nur ein einziges Exemplar, im Bestand der Bibliothek der Univerisiät Illinois. In deutschen Bibliotheken ist der Titel über diese Quellen nicht nachweisbar, selbst die Scholz-Sammlung der Mainzer Stadtbibliothek besitzt keines. Laut Jahrbuch der Bücherpreise (1906-38), Jahrbuch der Auktionspreise (1950ff.) und Auktionspreise online (ca. 1988ff.) wurde das Buch seit 1906 zudem nur zwei Mal auktioniert (1974, 1978).

Nicht bei Wegehaupt und auch nicht im Ausstellungskatalog »Bilderfreuden« von Mühlberg-Scholtz über die Verlagsproduktion von Scholz im 19. Jahrhundert.

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Weight 1 kg