Kompletter letzter Jahrgang der lettischen Avantgarde-Zeitschrift »Kreise Fronte«, 1930

KREISĀ FRONTE. [Linke Front]. Umschläge nach Entwruf von Ernests KĀLIS. 3. Jg., H. 1 – 5/6 [mehr nicht erschienen]. Rigā: 1930.

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KREISĀ FRONTE. [Linke Front]. Herausgegeben von Linards LĀICENS. Umschläge nach Entwruf von Ernests KĀLIS. 3. Jahrgang, Hefte 1 (Februar 1930) – 5/6 (Dezember 1930) [mehr nicht erschienen]. Rigā: Latvju Kultura 1930.

Gr. 8°. (15,3:23,3 cm). 47 [1]; 47 [1]; 55 [1], 47 [1]; 79 [1] Seiten. Originale fadengeheftete Verlagsbroschuren mit schwarz und jeweils verschiedener Komplementärfarbe konstruktivistisch illustrierter Umschlagtitel.

Vollständiger 3. und letzter Jahrgangs dieser wirkungsmächtigen, reich illustrierten Zeitschrift der lettischen linksrevolutionären Avantgarde.

Inhalt, Illustration: Inspiriert vom sowjetischen »Novyj Lef« (1927-28) erschien »Kreisā Fronte« zwischen 1928 und 1930 in drei Jahrgängen von je 6 Nummern in insgesamt 17 Heften (Jg. 3, wie hier vorliegend mit Nr. 5/6 als Doppelheft). Die Zeitschrift umfasst literarische, künstlerische, wissenschaftliche und politische Beiträge des linksrevolutionär orientierten Rigaer Kunst- und Literaturzirkels »Aktive Kunst«, der sich um den Autor, Herausgeber und Hauptredakteur Linards Lāicens, Experimentalliteraten wie Andrejs Kurcijs und Leons Paegle, sowie Künstlern wie Niklāvs Strunke, Sigismunds Vigbergs und den Gestalter der attraktiven, an der konstruktivistischen Ästhetik orientierten Umschlägen, Ernests Kālis, scharte. Die Rigaer »Aktiven« unterhielten auch rege Beziehungen zu anderen europäischen, v.a. auch zu den deutschen Avantgarden und entwickelten gleichzeitig eine durchaus markante, originäre Bild- und Textsprache. Nachdem Herausgeber Lāicens schon 1928 wegen der „staatsfeindlichen“ Linie von »Kreisā Fronte« in Haft gewesen war, wurde die Zeitschrift schließlich Ende 1930 verboten, nur um kurze Zeit später im Periodikum »Tribīne« wiederaufzuleben.

Der hier vorliegende 3. und letzte Jahrgang beinhaltet Texte u.a. auch von Johannes R. Becher, Heinz Luedecke und R. Kaltofen. Des weiteren finden sich u.a. Berichte über die Berliner Agit-Prop-Gruppe »Das rote Sprachrohr«, Essays, z.B. über die »Probleme proletarischer Filmkunst«. Die zahlreichen klischierten Illustrationen zeigen v.a. Arbeiten lettischer Künstler , u.a. spektakuläre Fotomontagen, ausserdem Zeichnungen von George Grosz.

Erhaltung: Die Umschläge stellenweise mit kleinen Randeinrissen and den Rändern und minimalen Fehlstellen an den Rücken, die einzelnen Hefte stellenweise leicht stock- und fingerfleckig, Papier gebräunt, insgesamt solide erhalten.

Seltenheit: Obschon laut Druckvermerk in 1.000 bis 1.400 Exemplaren gedruckt, ist »Kreisā Fronte« heute äußerst selten. Laut WorldCat und KVK sind außerhalb Lettlands weltweit nur 2 institutionelle Teilbestände nachweisbar (München (BSB), NYPL).

Literatur: Fraser, Publishing and Book Design in Latvia 1919-1940, 2014, p. 124ff. (mit 4 farb. Abb. auf S. 125 und 126).