In der Kanzlei von Oberhofpostmeister Fürst Paar, Kassabuch, 1785

 780

FÜR DIE KANZLEY. HANDAUSGABEN: [Kassabuch in Heftform betreffend Ausgaben einer Post-Kanzlei der Fürsten Paar.] O.O. [Wien]: 1785.

FÜR DIE KANZLEY. HANDAUSGABEN. C: i. [Kassabuch in Heftform betreffend Ausgaben einer Post-Kanzlei der Fürsten Paar.] O.O. [Wien]: Jänner - Dezember 1785.

Quer-8°. 8 nicht nummerierte Seiten, davon 7 beschrieben. Originale, fadengeheftete Broschur mit Umschlag aus gemustertem Buntpapier, derselbe mit einem Titeletikett, auf dem ein ornamentaler Rahmen mit dem Wappen der Fürsten von Paar gestochen ist, der den handschriftlichem Titel umschließt.

Kassabuch mit chronologisch verzeichneten Einträgen von „Handausgaben“ für eine Postkanzlei der Fürsten Paar während der Epoche von Fürst Johann Joseph Wenzel, damals »Obersthofpostmeister« des Kaisertums Österreich. Erfasst sind die Monate Jänner bis Dezember 1785. Die vermerkten Ausgaben betreffen vor allem Materialien und Utensilien, die für Schreiber und mit postalischen Agenden betraute Bedienstete nötig waren, wie Kalender, Papier (z.B. „Kanzleypapier“, „holländisches“ Papier oder „Postpapier“ (Packpapier), weiters „Federkiele“, Tinte, Schnüre etc., aber auch z.B. Trinkgelder. Häufig sind Einträge zu Ausgaben für „Stempel“ (z.B. „Stempel zu Postgeld“). Die einzelnen Positionen sind in der vorgedruckten Tabelle mittels schwarzer Tinte mit Datum, Menge (unter Verwendung der damals üblichen Maß- und Gewichtsangaben, wie z.B. „Busch“ oder „Ries“ für Papierlieferungen), genauer Bezeichnung (oft auch mit der Nennung eines Monogramms für einen bestimmten Bezieher des Besorgten in der Paar'schen Verwaltung) und Preisen (in Gulden und Kreuzer) eingetragen. Eingelegt ist ein originales, benutztes Löschblatt.

Das Palais der Fürsten Paar in der Wiener Wollzeile war einer der größten und repräsentativsten Adelssitze der Residenzstadt Wien. In seinen Prunkräumen fanden 1769 z.B. die Feiern zur Verlobung von Erzherzogin Marie Antoinette mit dem franz. König Louis XVI statt. Aufgrund des Amtes der Fürsten Paar beherbergte das schlossähnliche Gebäude auch das Hauptpostamt mitsamt weiträumigen Stallungen und Kanzleien, in denen seinerzeit 40 Postbeamte tätig waren (Harrer).

Umschlag und Heftblock an mehreren Stellen mit Wurmfraß, Umschlag stellenweise mit kleinen Tintenflecken, sonst sehr gut erhalten; ein einzigartiges und aussagekräftiges Dokument über die Postverwaltung im Wien des aufgeklärten Absolutismus.

Wurzbach, Bd. 3 (1870), S. 149; Harrer: Wien, Bd. 4.III (1945), S. 559-64; J. Parker: Das Blaue Zimmer aus dem Palais Paar in Wien. In: alte und moderne kunst, Jg. 16 (1971), Nr. 117, S. 8-14.

Additional information

Weight 1 kg