Ikonische Illustrationen zu Goethes Faust I, in exquisiter Ledermappe des Biedermeier, 1820

Moritz Retzsch: Umrisse zu Goethe’s Faust. 2., verm. Aufl. 2 Teile. 26 Tafeln mit Stichen nach Umrisszeichnungen und zugehöriges Textheft. Stuttgart und Tübingen, 1820

Johann Wolfgang Goethe; Moritz Retsch (eig. Retzsch): Umrisse zu Goethe's Faust. 2., vermehrte Auflage. 2 Teile. 26 Tafeln mit Stichen nach Umrisszeichnungen von Moritz Retzsch und zugehöriges Textheft. Stuttgart und Tübingen: Cotta 1820.

Quer-8°.26 Tafeln; 12 Seiten. Kupferstich und Buchdruck, gebunden in 2 zeitgenössischen beigen Interimsbroschuren mit durchgehendem Goldschnitt, dieselben in einer zeitgenössischen privaten Ganzledermappe mit Schließen, dieselbe mit Deckeltitel inmitten eines reichlich im biedermeierlichen Stil floral ornamentierten Rahmen in Gold- und blindprägung.

Retzsch'ens ikonische Bebilderung zu Goethes Faust I, hier in einen edler Ledermappe des Biedermeier.

Inhalt, Illustration: Die Erstausgabe dieser Suite mit Stichen nach klassizistischen Umrißzeichnungen des Dresdner Zeichners, Malers und Radierers Moritz Retzsch (1779-1857) zu Faust I war 1816 auf Vorschlag Goethes selbst erschienen, der die Arbeiten 1810 kennengelernt hatte und von ihnen so überzeugt war, dass er das Werk (von Retzsch?) kolorieren ließ und mit Widmungen an Freunde verschenkte (sh. z.B. das Exemplar für Charles Bracebridge (versteigert bei Christies (2001) und Pierre Berge (2016). Bestand die erste Ausgabe, welche bei Cotta ergänzend zur „Taschen-Ausgabe“ erschien, aus nur 15 Tafeln, so beinhaltet vorliegende 2. Auflage bereits 26 Tafeln mit Arbeiten von Retzsch.

Die Stiche zeigen Schlüsselszenen von Goethes magnum opus, im beiliegenden Textheft finden sich neben einer ausführlichen Vorrede von Karl August Böttiger, einem der einflußreichsten Gelehrten der Goethezeit in Weimar, zu jeder Tafel Textauszüge, deren letzter für das präsentierte Verlagsprodukt als sinnbildlich gelesen werden kann: „Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich.“ (Mephistopheles). Retzsch'ens Faust-Illustrationen wurden das ganze 19. Jh. wiederholt neuaufgelegt, 1836 erstmals auch für Faust II.

Erhaltung: Die Ledermappe an den Ecken etwas bestoßen, eine der Schließen aus Textilfaden gerissen, die andere ausgefranst, die Umschläge der Broschuren leicht fingerfleckig, sonst wohlerhaltenes Exemplar in einer unikalen, edlen Ausstattung.

Literatur: Goed. IV/3, 765; Fischer, Cotta 1256.