Erste bulgarische Ausgabe der Briefe von Sacco und Vanzetti, im expressiv konstruktivistischen Umschlag, 1932

[Ferdinando] SACCO; [Bartolomeo] VANZETTI: ПИСМА (Pisma). [Briefe]. Erste bulgarische Ausgabe. Sofia: [1932].

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[Ferdinando] SACCO; [Bartolomeo] VANZETTI: САКО И ВАНЦЕТЫ [Sako und Vantseti]. ПИСМА (Pisma). [Briefe]. (= Biblioteka Svobodno Obshtestvo [Bibl. f. e. freie Gesellschaft]). Sofia: (Druckerei »Nova Literatura«), o. J. [1932]. 8°. Seiten [1-5], 6-219, [5]. Klischee- und Buchdruck auf weichem, voluminösem Maschinenpapier, mit Faden gebunden im originalen Verlagsumschlag mit schwarz und rot illustriertem Umschlagtitel.

Erste bulgarische Ausgabe der Briefe von Sacco und Vanzetti, zweier in den USA im Jahr 1927 hingerichteter anarchistischer Aktivisten, erschienen in einer markanten Umschlaggestaltung von „IV. M.“

Inhalt: Die englische Erstausgabe der Briefe war 1929 in London erschienen. Sacco und Vanzetti waren im Zuge eines vermutlich politisch motivierten Prozesses im Jahr 1921 wegen Raubmordes zum Tode verurteilt worden. Während ihres mehrjährigen Aufenthalts in der Todeszelle, der von verschiedenen, letztlich erfolglos von ihren Anwälten angestrengten Revisionsverfahren geprägt war, schrieben sie Dutzende Briefe, um ihre Unschuld zu beteuern.

Das tragische Schicksal der beiden erregte weltweit Aufsehen, und die internationale Arbeiterbewegung nützte den Fall, um die Korrumpierung der Justiz durch das Großkapital und seine politischen Handlager zu Lasten des Proletariats zu brandmarken; auch in Bulgarien, wo sich Ende der 1920er-Jahre rund um die Zeitschrift »Novis« und ihren Herausgeber Lamar eine zweite avantgardistische Welle in Kunst und Literatur entwickelte, die teils einer anarchistischen politischen Agenda folgte. Teil dieser Sofioter anarchistischen Szene war auch der Verlag »Svobodna Misal« [»Freies Denken]«, in dem u.a. 1931 der von Max Metzger mit einem Umschlag versehene »[Anarchistische] Almanach...«] erscheinen sollte (in der Slg. H. & H.R.).

Illustration: Die Umschlagillustration nach einem zweifarbigen Holz- oder Linolschnitt eines mit „IV. M.“ monogrammierenden, nicht näher biographierbaren Künstlers visualisiert auf bedrückend eindrückliche Weise die in der Todeszelle inhaftierten Anarchisten (roter Kreis in Ketten, umgeben von schwarzen Wolken) im Moment ihrer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl (Blitze).

Eine ähnliche, gleichermaßen expressive wie konstruktivistische Bildsprache hatte niemand geringer als Ivan Milev schon 1920 für den Umschlag zur bulgarischen Erstausgabe von Aleksandr Bloks Gedichtband »Die Zwölf« entworfen. Milev verstarb jedoch schon 1927, und obwohl der hier verwendete Druckstock seine Initialen eingeschnitten hat, ist die Urheberschaft Milevs aufgrund des späten Erscheinungsjahres des Buchs unwahrscheinlich.

Erhaltung: Rücken am oberen und unteren Ende fachkundig ergänzt und restauriert, Papier gebräunt, sonst gut erhaltenes Exemplar.

Seltenheit: Vorliegende Ausgabe ist von großer Seltenheit, über OCLC/WorldCat lässt sich weltweit nur ein einziges weiteres Exemplar nachweisen, und zwar in der Bulgarischen Nationalbibliothek in Sofia.

Literatur: Jacono 2 (Milevs Umschlag für Bloks »Die Zwölf«, farb. Abb.) u. 41 (»Novis«).

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