Der »Wurstelprater«, Schlüsselwerk der Wiener Moderne, im vollständigen Einband

Felix SALTEN und Emil MAYER: WURSTELPRATER. Mit 75 Originalaufnahmen. Wien und Leipzig: Rosenbaum [1911 o. 1912].

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Felix SALTEN (Text) und Emil MAYER (Fotos): WURSTELPRATER. Mit 75 [im Text halbseitig klischierten s/w] Originalaufnahmen von Dr. Emil Mayer, wovon eine auf dem Vorderdeckel montiert. Wien und Leipzig: Verlag und Graphische Kunstanstalt Gebrüder Rosenbaum o. J. [1911 o. 1912].

Kl-8°. [Nicht num. Ss. 1-4 (2 (Vortit., Tit., Druckverm.)], Seiten 5-124 [4 nicht num. S. (Verlagsanz.)]. Originaler beiger Pappband des Verlags mit auf dem Vorderdeckel montierter fotografischer Abbildung, sowie schwarzem, teils mittels Schmuckrahmen gesetztem Deckel- und Rückentitel.

Erstausgabe dieses Schlüsseltexts zur Wiener Moderne, zugleich ein bedeutender Beleg früher Dokumentarfotografie in und über Wien.

Inhalt, Illustration: Der Band »Wurstelprater« beinhaltet Felix Saltens treffliche, teils schon in den 1890er-Jahren für Feuilletons und Novellen verfasste Reportagen über das Leben und Treiben auf Wiens legendärem Vergnügungsareal, einem veritablen Experimentierfeld der leichten Unterhaltung für alle Schichten im damaligen »Schmelztiegel« Wien. Ergänzt und akzentuiert sind Saltens Texte mit 75 Schnappschüssen des Fotopioniers Emil Mayer, die dokumentarische Neugier ebenso wie inszenatorisches Talent verraten. Mayer hatte 1908 den Prater und seine Menschen als Objekte für seine Linse entdeckt und 1909/10 aus diesem Fundus populäre Diavorträge zu „Typen und Szenen aus dem Wurstelprater“ gehalten. Seine Aufnahmen erinnern an jene von André Kertész im Paris der 1930er-Jahre. Das kongeniale Zusammenspiel des schwer fasslichen Autors Salten, dessen Repertoire von der „Mutzenbacher“ (1906) bis zum Rehkiz „Bambi“ (1923) reichte, mit dem Fotoreporter Mayer übt bis heute einen großen Reiz auf den Betrachter aus, und begründet die Bedeutung des Werks für Wiens Kulturgeschichte.

Gestaltung: Der Band wurde im renommierten Atelier der »Graphischen Kunstanstalt Brüder Rosenbaum« entworfen, die eng mit den Künstlern des Wiener Jugendstils und der Wiener Werkstätte kooperierte und sie teilweise beschäftigte, z. B. Josef Divéky oder Bertold Löffler. Die Künstlerpostkarten der Wiener Werkstätte wurden etwa ebenso von Rosenbaum gedruckt wie deren Almanach (1911), die Drucksorten für das Kabarett »Fledermaus«, oder eben der vorliegende Band über den Prater, dessen goldfarbig gedrucktes Rahmenwerk und Typografie ganz im Stil des Wiener Jugendstils gehalten sind. Der 1910 angeschlossene Verlag der Brüder Rosenbaum wurde von Arthur Roessler geleitet, unter dessen Ägide der »Wurstelprater« herauskam.

Erhaltung: Gelenke am Kopf- und Fußbereich des Rücken etwas eingerissen, Einband stellenweise minimal berieben, sonst von außergewöhnlich guter Erhaltung; ein offenbar selten geöffnetes Exemplar mit makellosem Buchblock aus hochwertigem Papier, satt gedruckt mit kontrastreich klischierten scharfen Fotos.

Seltenheit: Aufgrund der Fragilität der Bindung ist der Titel oft nur ohne den Einbandrücken bzw. mit erneuertem Rücken und Vorsätzen zu finden. Exemplare in der hier vorliegenden Vollständigkeit und Zustandsqualität, mit komplettem Einband, den originalen Vorsätzen und frischem Buchblock sind von außerordentlicher Seltenheit. Laut JAP/APO wurden in den letzten 40 Jahren 5 Exemplare der Erstausgabe des »Wurstelpraters« versteigert, zuletzt 1996. Nur eines dieser Exemplare ist mit einem intakten Originaleinband ausgewiesen. Aufgrund der anhaltenden Popularität des Werks und Seltenheit des Originals erschienen 1973, 1981 und zuletzt 2004 Nachdrucke bzw. Neuausgaben.

Literatur: Ponstingl, Wien im Bild, 2008, Nr. 23 und S. 37-42 (farb. Abb.). Wilpert/Gühring, 2. Aufl., 17 (Salten); Starl, S. 319f. (Mayer); Durstmüller II, S. 261-64 (Rosenbaum).

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Weight 1 kg