Der Prunksarg von Sissi und der Sarkophag von Lueger, Musterbuch, 1912

JULIUS MASCHNER & SÖHNE, Sarg-Fabrik: METALLSÄRGE. 70 Tafeln im Lichtdruck . Wien: 1912.

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JULIUS MASCHNER & SÖHNE, Sarg-Fabrik: METALLSÄRGE. Musterbuch F. Ausgabe 1912. 70 Tafeln im Lichtdruck nach freigestellten Fotografien. Wien: Selbstverlag (Kunstanstalt Max Jaffé) 1912.

Quer-8°. 70 Blätter. Originale Broschur in Klammerheftung mit schwarzem, innenseitig illustriertem Titeldruck.

Seltenes Musterbuch der seit 1884 bestehenden Wiener »Sarg-Fabrik Julius Maschner & Söhne«, ein beredtes Dokument spezifischen Totenkults und historistischer Bestattungskultur in Wien.

Inhalt: Die umfangreiche Mustersammlung enthält stark kontrastive und gestochen scharfe Lichtdrucke auf hochwertigem Papier, darstellend freigestellte Fotografien von 70, auf und entlang der Deckel, Seitenwände sowie Kopf- und Fußseiten teils üppig verzierten Metallsärgen. Die Muster zeigen u.a. Bordüren, Einfassungen, Girlanden, Korpusse (Christus am Kreuz, Engel etc.), meist zusammengesetzt aus im historistischem Stil gehaltenen geometrischen und floralen Ornamenten (Pflanzenranken, Blüten, Bouquets). Die Särge wurden auch mit, auf Wunsch verdeckbaren, Sichtfenstern geliefert.

Herausragend sind die Prunksärge und Sarkophagen, die man aus Edelmetallen für verblichene Mitglieder der Habsburger kaiserlichen Familie und sonstige Prominente herstellte. Vorliegendes Musterbuch bildet u.a. die Prunksärge für „Weiland Ihre Majestät“ Kaiserin Elisabeth und ihren Sohn Kronprinz Rudolf (beide gest. 1889) „geliefert in die Kapzinergruft in Wien“, sowie einen aus Alpacca gefertigen Sarkophagen für den gewesenen Bürgermeister Karl Lueger (gest. 1910) ab.

Der aus Chemnitz stammende Firmengründer Julius Friedrich Maschner betrieb eines der größten und innovativsten Unternehmens seiner Branche in der Habsburgermonarchie. Neben seiner hier musterhaft dokumentierten Expertise in Sachen Bestattungsbehältnissen aus Metall entwickelte Maschner aber auch ein bahnbrechendes „Verfahren zur Imitation von Metallsärgen“, mit Hilfe dessen man Holzsärgen mittels Verzierungen durch blindgeprägte und farb- bzw. metallisch beschichtete Papiertapeten und Pappdekorationen einen metallischen Look verleihen konnte. Der vordem nur Adeligen und wohlhabenden Bürgern für die Gruftbestattung vorbehaltene, teure Metallsarg war nun in einem billigeren Imitat auch für weniger Betuchte erschwinglich, was dem Unternehmen über soziale, konfessionelle und regionale Grenzen hinweg großen Erfolg brachte und die Maschners zu Millionären machte (Sandgruber).

Erhaltung: Ss. 56, 64 u. 66 aufgrund einer Fehlpaginierung nicht vorhanden, jedoch so vollständig, wie erschienen; Heftung vom Hintergelenk gelöst; Umschlag stellenweise leicht gebleicht und berieben, einige Seiten mit leicht sichtbaren Fingerflecken, sonst sehr sauber.

Seltenheit: Selten, laut OBV besitzen nur das MAK (3x), die Wienbibliothek und das Wiener Museum für Volkskunde Exemplare des vorliegenden Musterbuchs.

Literatur: Franz Lackner: Die Sargfabrik Julius Maschner & Söhne, Wien. Ein wirtschaftshistorischer Beitrag zur Sepulkralkulturforschung. Wien: 2000; Roman Sandgruber: Traumzeit für Millionäre. Die 929 reichsten Wienerinnen und Wiener im Jahr 1910. Wien, Graz und Klagenfurt: Styria 2013.

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Weight 1 kg