„Das Spielzeug des modernen Kindes“, ein Baukausten für Wolkenkratzer, 1924

W. KREIS; C. A. JUENGST: DER INGENIUS-BAUKASTEN. [THE NEW CITY (Umschlagtit.)]. Mit zahlr. klischierten Textabb., Umschlag von [Wilhelm] WILLRAB. Wien: o.J. [1924].

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W.[ILHELM HEINRICH] KREIS; C.[ARL] A.[UGUST] JUENGST: DER INGENIUS-BAUKASTEN. [THE NEW CITY (Umschlagtitel)]. Mit zahlreichen klischierten s/w Textabbildungen von vornehmlich Modellfotos, darunter 3 ganzseitig, sowie Zeichnungen, im illustriertem Umschlag im Vierfarbendruck von [Wilhelm] WILLRAB. Wien: Ingenius Techn. u. Handelsges.m.b.H. (Chwala) o.J. [1924].

Quer-8°. 20 Seiten. Vierfarbendruck, Klischee- und zweifarbiger Buchdruck, in der originalen, mittels zwei Klammern gehefteten Broschur, diese mit vierseitig, großteils illustrativ bedrucktem Umschlag.

Seltene, aufwändig gestaltete Werbebroschüre für den legendären, »The New City« betitelten Architekturbaukasten aus dem Programm des Wiener Herstellers für luxuriöse Holzspielwaren „Ingenius“.

Inhalt: Entworfen von den Architekten Wilhelm Kreis und Carl August Jüngst, den Planern u.a. des Düsseldorfer Wilhelm-Marx-Hauses (1922-24), einem der ersten Bürohochhäuser in Deutschland, umfasste der hier annoncierte und beworbene Baukasten 3000 aus Rotbuche hergestellte Bausteine, mit denen laut Angaben der Hersteller Modelle vom Kleinstmöbel bis zum 7 Meter (!) hohen Wolkenkratzer zusammengestellt werden konnten. Mit Nut und Federn verzapft und verkragt, wiesen die Bauelemente eine der Betonarchitektur der Moderne ähnliche Stilistik auf. „Besonders der größte Baukasten dieser Serie, The New City, warb mit Wolkenkratzern und einer amerikanischen Stadt auf dem Deckel und kann als der stilistisch modernste der zur Verfügung stehenden Architektur-Kästen gelten.“ (Noell)

Wie die anderen unter der Marke Ingenius angebotenen, jedoch wesentlich kleineren Baukasten-Typen (»Normal«, »General«, »Special«, »Minimal« und »Baby«) sollte »The New City« gleichermaßen Spiel, Lehr- und Erziehungsmittel für die Jugend (im Sinne Friedrich Fröbels) sowie Modellierkasten für Fachleute sein. Damit entsprach das Ingenius-Projekt dem modernistischen architektonischen Zeitgeist, wie ihn am akzentuiertesten wohl das Bauhaus zum Ausdruck brachte, z.B. mit „dem großen baukasten“ von Walter Gropius.

Gestaltung: Der auch für die Deckel der Baukästen verwendete Umschlagentwurf für die Werbebroschüre stammt von Wilhelm Willrab, der in Wien an der Kunstschule Julius Klingers wirkte und vor allem als Plakatkünstler in Erinnerung ist.

Erhaltung: Broschur mit einer durchgehenden vertikalen Knickfalte, der Umschlag stellenweise etwas berieben, an den Ecken und Kanten mitunter gering bestoßen, Hinterseite des Umschlags mit leicht sichtbaren Fleckchen, sonst gut erhaltenes Exemplar dieses fragilen Heftes.

Seltenheit: Die Baukästen der Ingenius-Serie sind heute sehr selten, ebenso die ursprünglich den Kästen beiliegende gedruckte Dokumentation mit Entwürfen, Vorlagenblättern und Anleitungen. Noch rarer sind Werbebroschüren des Unternehmens wie die vorliegende. Über OCLC/WorldCat, KVK und viaLibri Libraries nachweisbar sind lediglich zwei Broschüren vergleichbaren Umfangs und Illustration, an der Österr. Nationalbibliothek in Wien und am Canadian Centre for Architecture in Montréal (auf Englisch).

Literatur: Gebrauchsgraphik Nr. 5 (1925), Abb. des Umschlag- und Deckelentwurfs von Willrab; Matthias Noell: Des Architekten liebstes Spiel: Baukunst aus dem Baukasten. In: Torra-Mattenklott, Hg.: Spiele / Games. Köln et al.: 2003, S. 23-40.

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Weight 1 kg