Beuschel, Hirn, Kutteln und Schöps für den Oberhofpostmeister, Fürst Paar

[WARENEINGANGSBUCH DER FÜRSTEN PAAR BETREFFEND FLEISCHWAREN.] Auf die Küche. Fleischhacker. O.O. [Wien]: Jänner, Februar, März und Dezember 1777.

Out of stock

Auf die Küche. Fleischhacker. [Wareneingangsbuch der Fürsten Paar betreffend Fleischwaren.] O.O. [Wien]: Jänner, Februar, März und Dezember 1777. Quer-8°. 76 nn. Seiten, davon 15 beschrieben. Originale, fadengeheftete Broschur mit Umschlag aus gemustertem und lackiertem Buntpapier, derselbe mit einem Titeletikett, auf dem ein ornamentaler Rahmen mit dem Wappen der Fürsten von Paar gestochen ist, der den handschriftlichem Titel umschließt.

Geschäftsbuch mit chronologisch verzeichneten Eingängen von Fleischwaren für die Küche des Palais Paar in der Wiener Wollzeile während der Epoche von Fürst Johann Joseph Wenzel Paar, damals »Obersthofpostmeister« des Kaisertums Österreich.

Erfasst sind die Monate Jänner, Februar, März und Dezember 1777. Die Küche des Palais Paar bezog damals vor allem Rind-, Kalb- und Lammfleisch, daneben auch solches von „Schöpsen“ (kastrierten Hammeln), dazu „Beuschel“ (Lunge), Bries, Hirn, Obergaum und Zunge, sowie Kuttelfleck, Mark und die sogenannte „Zuwag“, also Knochenbeigaben. So bekam man etwa am 26. Jänner 1777 geliefert: 50 kg Rindfleisch, 38 kg Kalbfleisch nebst Zuwag, Lamm- und Schöpsen-Karree, Bries, Hirn und Mark. Die einzelnen Positionen sind in der vorgedruckten Tabelle mit Datum, Menge, Ware und Preis eingetragen. Tages- bzw. Monatssummen sind vermerkt und als „bezahlt“ ausgewiesen. - Das Palais der Fürsten Paar war einer der größten und repräsentativsten Adelssitze der Residenzstadt Wien. In seinen Prunkräumen fanden 1769 z.B. die Feiern zur Verlobung von Erzherzogin Marie Antoinette mit dem franz. König Louis XVI statt. Aufgrund des Amtes der Fürsten Paar beherbergte das schlossähnliche Gebäude auch das Hauptpostamt mitsamt weiträumigen Stallungen und Kanzleien, in denen seinerzeit 40 Postbeamte tätig waren (Harrer).

Vorderseite des Umschlags an zwei Stellen mit Wurmfraß, Umschlag stellenweise mit kleinen Tintenflecken, sonst sehr gut erhalten; ein einzigartiges und aussagekräftiges Dokument gastronomischen Lebens im adeligen Wien des aufgeklärten Absolutismus.

Wurzbach, Bd. 3 (1870), S. 149; Harrer: Wien, Bd. 4.III (1945), S. 559-64; J. Parker: Das Blaue Zimmer aus dem Palais Paar in Wien. In: alte und moderne kunst, Jg. 16 (1971), Nr. 117, S. 8-14.

Additional information

Weight 1 kg