Aus dem Hause Nolit, dem Belgrader Bruder des Malik-Verlags, Beispiel 2

Ernst TOLLER: JEDNA MLADOST U NEMAČKOJ [EINE JUGEND IN DEUTSCHLAND]. Aus dem Ms. übersetzt, Umschlag und Typo von Pavle BIHALY. Belgrad: Nolit 1933.

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Ernst TOLLER: JEDNA MLADOST U NEMAČKOJ [EINE JUGEND IN DEUTSCHLAND]. Aus dem deutschen Manuskript übersetzt, Umschlagentwurf und typografische Gestaltung von Pavle BIHALY. Mit montiertem Fotoporträt des Autors im Klischeedruck als Frontispiz. Belgrad: Nolit (Radenković) 1933.

8°. [Nicht num. Ss. 1-8 (Druckverm., Reihentit., Tit., Front., 2. Tit.)], Ss. 9-244. Buch- und Klischeedruck, mittels Faden gebunden im originalen dunkelblauen Kaliko mit teils auf rotem Schild aufgebrachtem, gold- und grüngeprägtem sowie mit Goldprägung verziertem Deckel- und Rückentitel, braunem Kopfschnitt und hellgrauen Vorsätzen, im mehrfarbig illustrierten und betitelten, mit Fotomontage versehenen Originalumschlag aus stärkerem, lackiertem Papier.

Erste serbische Ausgabe, wohl zeitgleich mit dem deutschen Original auch erste Buchausgabe der Autobiographie von Ernst Toller als sozialistischen Revolutionär, hier in der besseren Ausstattung im dunkelblauen, geglätteten Kaliko, vollständig mit dem illustrierten Schutzumschlag von Pavle Bihaly.

Rezeption: Im gleichen Jahr erschien bei Querido in Amsterdam auch die deutsche Originalausgabe, von Toller in der Vorrede mit „am Tag der Bücherverbrennung meiner Bücher in Deutschland“ datiert (10. Mai). Im Druckvermerk der vorliegenden serbischen Ausgabe wird allerdings darauf hingewiesen, dass „dieses Werk aus dem ursprünglichen, noch nicht veröffentlichten Manuskript übersetzt, und erstmals in dieser Ausgabe vor der deutschen Sprache gedruckt“ ist. Das ist insofern plausibel, als der im Januar 1933 im Zuge der Machtergreifung der Nazis aus Deutschland in die Schweiz geflohene Autor vom 22. (oder 25.) bis 28. Mai 1933 auf Einladung der englischen Delegation beim P.E.N.-Kongress in Dubrovnik weilte, dort mit einer Rede wider die Vertreibung von unliebigen Schriftstellern in Deutschland aufhorchen ließ und anschließend auch eine Lesereise durch Jugoslawien unternahm. Es ist anzunehmen, dass dabei vor allem die Nolit-Ausgabe von Tollers Autobiographie promotet wurde, die ausnahmsweise Bihaly selbst ins Serbische übersetzt hatte, wohl kurz davor und in Eile (aus einem von Toller zur Verfügung gestelltem Manuskript).

Gestaltung: Pavle Bihalys Umschlagsentwurf läßt einmal mehr John Heartfields Vorbild erkennen. Ähnlich wie es Heartfield des öfteren, etwa für die Malik-Ausgabe von Maxim Gorkis »Mutter« (1927) getan hatte, füllte auch Bihaly den gesamten Vorderumschlag mit einem ausdrucksvollen Gesicht in Großaufnahme aus, das von einer im leuchtenden rot kalligrafierten Titeltypografie umsäumt wird: In diesem Fall verwendete er ein Porträtfoto des angestrengt (rück?)blickenden Autors, das als Frontispiz zeitgleich auch Eingang in die Amsterdamer Ausgabe fand.

Auf den Klappen befinden sich Pressestimmen zu zwei weiteren, ebenfalls in der »Biblioteka Nolit« erschienenen Büchern, »Virineja« von Lidija Seifullina und »Podanik« (Der Untertan) von Heinrich Mann, beide mit je einer Abbildung des zugehörigen Umschlagentwurfs von Pavle Bihaly. Die Werke Seifullinas als auch Heinrich Manns waren, ebenso wie jene von Toller, auf den Verbrennungslisten der Nazis.

Erhaltung: Schutzumschlag in der Höhe um ca. 2mm kürzer als der Einband, mit minimalen Gebrauchsspuren, Kopfschnitt etwas verblasst, sonst sehr gut erhaltenes Exemplar dieser auf hochwertigem Maschinbütten gedruckten Ausgabe.

Literatur: Haufe/Rettej 49; Gittig 176; Hermann 129; Bassenge 93 (Malik) 3158 (alle für »Die Mutter«); Biographisches Handbuch der deutschen Emigration nach 1933, Tl. 2 (1983) zit. WBIS/DBA II.1312.380 (Fluchtbiographie Tollers).

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