Privates Bilderalbum des Grafen Ludwig Wallis, im prunkvollen Einband, 1860er-Jahre

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PRIVATES BILDERALBUM IM MEISTEREINBAND VON LUDWIG GRAF WALLIS. O.O. u. J. [1860er-Jahre].

PRIVATES BILDERALBUM IM MEISTEREINBAND VON LUDWIG GRAF WALLIS (1822-1877). Mit rund 150 eingeklebten Illustrationen, zumeist Stahlstiche, Lithografien oder Holzstiche, sowie 2 Bleistiftzeichnungen. O.O. u. J. [1860er-Jahre].

33,5:47 cm. Ca. 170 Blätter braunes Maschinbütten, wovon rund 30 meist doppelseitig beklebt. Meistereinband aus zinnoberrotem, geglättetem Maroquinleder über Holzdecken, mit prächtiger Deckel-, Rücken-, Steh- und Innenkantenvergoldung bzw. Blindprägung unter Verwendung floraler Ornamentik und rahmender Linienfileten, im gleichen Stil getriebener Schließe, handgenähten Kapitale, weißen, gewachsten Vorsätze mit floral gemusterter Blindprägung sowie durchgehendem, gauffiertem Goldschnitt.

Privates Bilderalbum des Grafen Ludwig Wallis, im prunkvoll goldgeprägten Einband eines ungenannten Buchbindermeisters im Stil des Biedermeier, mit dem gekrönten Namenszug des Besitzers auf der vorderen Einbanddecke.

Inhalt: Ludwig Graf Wallis (1822-77) stammte aus der böhmischen Linie des Adelsgeschlechts Wallis von Carrighmain und verbrachte sein Leben vor allem als Militär, dessen Höhe- und Schlusspunkt die Teilnahme am Sardinischen Krieg zwischen Österreich und dem mit Frankreich alliierten Königreich Sardinien (1859) war. Dieser prägenden Kriegsteilnahme eingedenk finden sich im vorliegenden Album mehrere lithografische Porträts von Oberkommandierenden der Österr. Armee dieser Tage eingeklebt, darunter jene der Feldmarschall-Lieutenants Eduard Graf Clam-Gallas und Wilhelm Graf Montenuovo, den Befehlshabern des 1. Armeekorps, in dem der im Hauptmannsrang stehende Wallis während des Sardinischen Kriegs wohl diente.

Darüber hinaus finden sich rund 140 weitere Bilder unterschiedlichsten Motivs und Formats eingeklebt, Stahlstiche, Lithografien oder Holzstiche, die verschiedenen Werken entnommen, zugeschnitten und in das Album eingeklebt wurden: Frauenbildnisse, meist historisierend in Kostümen, Porträts von kirchlichen und politischen Würdenträgern oder Schriftstellern (u.a. Jean Paul und Adalbert Stifter), biblische Szenen und solche aus der antiken Mythologie, Szenen auf der Basis von Theaterstücken oder anderen literarischen Werken, Landschaften, Ansichten und Veduten etc., vielen davon mit ebenfalls zugeschnittenen und eingeklebten Bildlegenden. – Die beiden Bleistiftzeichnungen sind mit „Comtesse Maay-Wallis“ signiert.

Erhaltung: Einbandrücken an den Gelenken und Ecken fachkundig restauriert, Decken stellenweise etwas fleckig, mit Kratzspuren, gebleicht und berieben, die Ecken und Kapitale geringfügig bestoßen. 3 Blätter entfernt, einige Blätter mit Löchern und Klebespuren von entfernten Montagen; von den kunstvoll getriebenen Schließen ist nur die vordere erhalten.

Literatur: Wurzbach, Bd. 52 (1885), S. 260.